Speisekarte gestalten: 12 Regeln, die Gäste wirklich lesen

Ratgeber · Stand: 08.09.2026 · Lesezeit ca. 8 Minuten · Von Markus Knigge, VeloMenu

Eine Speisekarte hat einen Job: Der Gast soll schnell finden, worauf er Lust hat, und ohne Rückfrage bestellen. Alles andere, Papierstärke, Logo, Goldrand, ist Dekoration. Die meisten Karten scheitern nicht am Design, sondern an Grundregeln: zu viele Gerichte, unklare Reihenfolge, Beschreibungen, die nichts sagen, Allergene in einer Fußnote. Diese zwölf Regeln gelten für die gedruckte Karte wie für die digitale am Tisch. Am Ende steht eine Vorlage, mit der du sofort anfangen kannst.

1. Weniger Gerichte, mehr Bestellungen

Zwischen 20 und 40 Positionen liest ein Gast noch vollständig. Ab 60 überfliegt er, ab 80 bestellt er, was er kennt, oder fragt die Bedienung. Jedes gestrichene Gericht macht die Karte lesbarer, die Küche schneller und den Einkauf einfacher. Wer sich nicht trennen kann, führt eine kleine Stammkarte und lagert den Rest in eine wechselnde Wochenkarte aus.

2. Reihenfolge wie der Abend

Vorspeisen, Suppen, Hauptgerichte, Beilagen, Desserts, Getränke. In dieser Reihenfolge isst der Gast, in dieser Reihenfolge sucht er. Die Tageskarte kommt vorneweg oder auf ein eigenes Blatt, nie mitten zwischen die Standardgerichte. Innerhalb einer Rubrik gilt: das Signaturgericht zuerst, dann der Rest, nicht nach Preis sortiert.

3. Der Name sagt, was es ist

„Genuss vom Feld" ist kein Gericht. „Ofengemüse mit Ziegenkäse und Honig" ist eins. Der Gast soll beim Lesen schon schmecken, ohne zu fragen. Fantasienamen funktionieren nur, wenn direkt darunter eine Beschreibung steht, und dann hätte die Beschreibung auch als Name gereicht.

4. Beschreibung in einer Zeile, ohne Adjektive

Zutaten und Zubereitung, mehr nicht: „mit Bratkartoffeln, Speck und Spiegelei". Wörter wie „köstlich", „hausgemacht" oder „zart" belegen Platz und beweisen nichts. Wenn hausgemacht ein echtes Merkmal ist, gehört es einmal an den Anfang der Karte, nicht hinter jedes Gericht.

5. Preise ohne Punktlinien

Die gepunktete Linie vom Gericht zum Preis führt den Blick genau dorthin, wo er nicht hin soll: auf die Zahl. Preis rechts in derselben Zeile, ohne Linie, und das Eurozeichen einmal in der Kopfzeile („Alle Preise in Euro inkl. MwSt.") statt hinter jedem Betrag. Die Karte wirkt weniger wie eine Rechnung. Was die Preisangabenverordnung verlangt, bleibt erfüllt: Endpreis inklusive Mehrwertsteuer, für jeden Gast erkennbar.

6. Allergene direkt hinter dem Gericht

Eine Fußnote drei Seiten weiter wird nicht gelesen, eine Legende im Kleingedruckten auch nicht. Die Kürzel gehören in dieselbe Zeile wie das Gericht, die Legende auf jedes Blatt, das einzeln in der Hand liegen kann. Welches System sich bewährt hat und welche Fehler bei Kontrollen auffallen, steht im Artikel Allergene richtig abkürzen.

7. Vegetarisch und vegan kennzeichnen, nicht abschieben

Ein kleines Symbol hinter dem Gericht reicht. Die eigene Rubrik „Für Vegetarier" am Ende der Karte signalisiert, dass diese Gäste nachträglich bedacht wurden, und sie sehen nicht, was sonst noch ohne Fleisch geht. Wer drei vegetarische Hauptgerichte hat, stellt sie zwischen die anderen und markiert sie.

8. Eine Schrift, zwei Größen, drei Farben

Überschriften in einer Größe, Gerichte in einer zweiten, Beschreibungen kleiner und grau. Mehr Varianten braucht keine Karte. Schriftgröße unter 10 Punkt ist bei Kerzenlicht unlesbar, und die Hälfte der Gäste über 50 liest ohne Brille gar nicht mehr. Auf dem Handy gilt dasselbe: keine PDF, die man zoomen muss, sondern eine Karte, die sich der Bildschirmbreite anpasst.

9. Fotos nur, wenn sie echt sind

Ein gutes Foto verkauft ein Gericht, ein schlechtes vernichtet es. Stockfotos, die nicht deinem Teller entsprechen, erzeugen Enttäuschung am Tisch. Wer keine guten Fotos hat, lässt sie weg. Wer welche hat, zeigt drei bis fünf Signaturgerichte, nicht die ganze Karte. Auf der digitalen Karte ist ein Foto je Rubrik ein guter Kompromiss.

10. Sprache der Gäste

Wo Touristen oder internationale Belegschaft essen, gehört eine englische Fassung dazu. Nicht als zweite Spalte, die die Karte unleserlich macht, sondern als eigene Karte oder als Umschalter auf der digitalen Karte. Die Übersetzung muss zur Küche passen: „Schnitzel" bleibt „Schnitzel", und „Handkäs mit Musik" braucht eine Erklärung, keine Wort-für-Wort-Übersetzung.

11. Datum drauf

„Gültig ab 1. September" zeigt Gästen, dass die Karte gepflegt wird, und dem Kontrolleur, dass die Allergene aktuell sind. Es zwingt dich außerdem, bei jeder Änderung bewusst zu entscheiden: Neudruck oder nicht. Auf der digitalen Karte übernimmt das die automatische Stand-Angabe.

12. Jede Änderung heißt Neudruck, oder kein Druck

Preise steigen, Gerichte wechseln, Lieferanten ändern Rezepte. Bei einer gedruckten Karte bedeutet jede Änderung entweder Neudruck oder durchgestrichene Preise, und durchgestrichene Preise sind das Erste, was ein Gast fotografiert. Die ehrliche Rechnung: Wenn sich deine Karte öfter als einmal im Monat ändert, ist Papier das falsche Medium. Dann gehört die Karte auf einen QR-Code am Tisch, und der Druck bleibt für die Karte, die sich nicht ändert, zum Beispiel die Getränkekarte. Wie ein Wechsel aussieht, ohne dass die Tische leer bleiben, steht auf der Seite Digitale Tageskarte.

Die Vorlage zum Anfangen

Alle zwölf Regeln stecken in der kostenlosen Speisekarten-Vorlage: Tageskarte als eigener Block, Rubriken in Abend-Reihenfolge, Spalte für Allergene und Zusatzstoffe, Preise ohne Punktlinien, Legende A bis N und 1 bis 12, Datumszeile. Als Word-Datei zum Ausfüllen oder als PDF zum Ausdrucken, ohne Anmeldung. Wer die fertige Karte lieber als digitale Speisekarte mit QR-Code haben will, inklusive Allergenen als Klartext und englischer Fassung, schickt die ausgefüllte Vorlage an uns. Der Ablauf steht auf der Seite Speisekarte erstellen lassen.

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Schick uns ein Foto deiner jetzigen Karte oder die ausgefüllte Vorlage. Du bekommst innerhalb eines Werktags ein schriftliches Angebot mit einer Vorschau deiner digitalen Karte.

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